Wissenswertes über Birne & Most
Während es in allen anderen Mostregionen Europas vorwiegend Apfelmoste zu trinken gibt, genießt man im Mostviertel Birnenmoste. Bis vor einigen Jahren noch galt der Most als eher grobschlächtiger Durstlöscher. Dank des Qualitätsbewusstseins der Mostviertler und einer verfeinerten Kellertechnik ist Most heute zu einer salonfähigen Alternative zu Wein und Bier geworden.
Von der Birne zum Most
Es sind viele Stationen, die die Birne durchläuft, bevor sie zu Most wird. Die Mostproduzenten von heute arbeiten ähnlich wie Winzer. Mit bestem, ausgewähltem Obst und mit modernster Kellertechnik. Dazu mit viel Fingerspitzengefühl und Innovationsfreude.
Die Herstellung von Most ist ähnlich anspruchsvoll wie die von Wein. Qualitativ hochwertiges Obst wird von Hand gelesen, säuberlich gewaschen und gepresst. Der Saft kommt für 2 bis 8 Wochen in Gärbehälter und wird – bevor er trinkfertig ist – filtriert und geklärt.
Das hellgelbe bis bernsteinfarbene Getränk schmeckt nach frischen Früchten und wird in vier Geschmacksrichtungen angeboten: mild, halbmild, kräftig und resch. Der Alkoholgehalt von Most liegt zwischen 4 und 8 Volumsprozent. Zum Vergleich: Bier hat etwa 5 Volumsprozent Alkohol, Wein rund 12 Prozent.
Kenner schätzen besonders die sortenreinen Birnenmoste. Typische Mostviertler Mostbirnsorten sind zum Beispiel die Grüne und Rote Pichelbirne, die Amstettner Mostbirne, Dorschbirne, Honnelbirne, Speckbirne oder die Landlbirne.
Aus der Geschichte des Mostes
Schon die Kelten vertrauten auf die gesunde Wirkung des Mostes. Doch zu jener Zeit soll er noch ein recht grobschlächtiges Getränk gewesen sein. Erst die Römer führten die Kunst der Veredelung und der verfeinerten Produktion ein. Sie stellten Sortenreines her: pomacium (Apfelmost) oder piracium (Birnenmost).
Im 12. Jahrhundert gab es im Umfeld von Stift Seitenstetten ein adeliges Geschlecht, das den Birnbaum im Wappen trug und sich ‚von Birnbaum’ nannte. Das erste schriftliche Lob auf den Most stammt vom Minnesänger Neidhart von Reuenthal (1240). Seine erste Blütezeit erlebte der Mostviertler Most im 16. Jahrhundert, als Ritter Philipp Grünthaler bei Schloss Zeillern einen großen ‚Paumgarten’ anlegen ließ.
Auch Kaiserin Maria Theresia war der Most ein Anliegen: Sie verordnete die Anpflanzung von Streuobstbäumen. Ihr Sohn und Nachfolger Joseph II. belohnte Landwirte mit einer silbernen Medaille, wenn sie über 100 Obstbäume setzten. Er ordnete auch an, bei jeder Hochzeit einige Obstbäume anzupflanzen.
Den nächsten Aufschwung erlebte der Most gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Bauernbefreiung und Industrialisierung. Jetzt wurden Straßen und Eisenbahnnetze gebaut und der Most konnte leicht in fernere Regionen transportiert werden. Die Mostkeller wurden zur ‚Goldmine der Region’.
Die gute Zeit hielt bis nach dem 2. Weltkrieg an. Dann geriet der Most völlig aus der Mode. Bier, Wein und Limonaden liefen ihm dem Rang ab. Viele Obstbaumzeilen wurden gerodet, der Baumbestand nahm rapide ab.
Inzwischen wächst die Zahl der Obstbäume wieder. Über 300.000 schmücken das Land, von Jahr zu Jahr werden es mehr. Die Mostviertler Birnenmoste erleben eine Renaissance.
